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Letze Aktualisierung am: 24.04.2012

Was ist Focusing?

Focusing ist eine Problemlöse-Methode, die Denken und Fühlen systematisch in Beziehung bringt. Indem die Wahrnehmung auf das körperlich spürbare Unklare einer Situation gerichtet wird, ist es möglich, gezielt in den Bereich eines Themas zu kommen, in dem Worte noch fehlen.
Begründer: Eugene T. Gendlin

Focusing – Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher
Probleme

Einleitung zu Gendlin, E.T., 1998, Focusing – Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher
Probleme. Reinbek: rororo sachbuch

H.J. Feuerstein & Di. Müller
Focusing – Entwicklung und Weiterentwicklung
1979 erschien das Original als Taschenbuch in den USA. 1981 war die erste deut-sche Buchausgabe verfügbar
Nun, beinahe 20 Jahre später, erscheint eine deutsche Taschenbuchausgabe dieses Klassikers der Focusing – Literatur. Ein erfreuliches Zeichen für das Werk und die Methode, die es darstellt.
Die Neuauflage ist willkommener Anlaß, zurückzuschauen auf die Grundlagen und die Geschichte des Buches – und auf die Wirkungen, die es inzwischen zeitigte. Mit seinem ersten Erscheinen fasste Gene Gendlin die Ergebnisse jahrzehntelanger Arbeit, verstreut publiziert in vielen Fachartikeln, verständlich für eine breitere Öffentlichkeit zusammen. “Giving psychology away”, dieses Motto war auch Anliegen für Gendlin – in guter pragmatischer amerikanischer Tradition sollten die Ergebnisse psychologischer und philosophischer Forschung zum Nutzen aller popularisiert werden.
Was aber hat Gendlin der Öffentlichkeit mit “Focusing” anzubieten?
Die Frage führt zunächst zurück in die Entstehungsgeschichte des Focusingkonzeptes – und damit auch in die Geschichte von Eugene T. Gendlin.
Geboren als Sohn jüdischer Eltern in Wien, flüchtete er mit seiner Familie vor den nationalsozialistischen Verfolgungen in die USA. An der University of Chicago studierte Gendlin Philosophie. Bei der Suche nach Forschungsfeldern, in denen die Beziehung zwischen Erleben und Symbolisierungen des Erlebens im Bewußtsein genauer studiert wurde,
stieß Gendlin auf Psychotherapie. Hier spielte die Frage,
wie genau das augenblickliche Erleben im Bewusstsein auftaucht und welche Prozesse an dieser Symbolisierung beteiligt sind, eine zentrale Rolle. So verstand man psychische Störungen eines Menschen als dessen verzerrtes oder unvollständiges Gewahrwerden der Bedeutung, die ein Problem oder eine Situation “wirklich” für ihn hat.
Gendlin begegnete 1951 an der University of Chicago dem Begründer der Klientzentrierten Psychotherapie, Carl R. Rogers, der mit seinem Mitarbeiterstab an genau diesen Fragestellungen forschte, um damit die Wirksamkeit seiner Methode zu erhöhen. Bis Mitte der sechziger Jahre blieb Gendlin eng mit Rogers verbunden und beeinflusste mit seinen philosophischen und methodischen Arbeiten die Entwicklung der Klientzentrierten Psychotherapie.
Bei seinen Untersuchungen über die Wirksamkeit von Psychotherapie entdeckte Gendlin in den sechziger Jahren ein Phänomen, das seine weitere Arbeit stark be-stimmen sollte: Er fand heraus, dass der Erfolg einer Psychotherapie weniger von der methodischen Richtung oder davon abhing, worüber ein Klient in der Sitzung spricht – ausschlaggebend für die Entwicklung erschien die Art und Weise, wie ein Klient über sich spricht. Dieses Wie konnte Gendlin genauer beschreiben: Um persönliche Probleme erfolgreich lösen zu können, ist es erforderlich, beim Denken und Sprechen über ein Thema die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf das unmittelbare Erleben zu richten. Die direkte Bezugnahme auf die im Augenblick des Sprechens erlebte Bedeutung einer Situation, eines Themas nannte Gendlin Focusing. Klienten, die in der Lage waren zu diesem inneren Focusing-Prozess, so Gendlin, profitierten von Psychotherapie. Um denjenigen zu helfen, denen diese spezifische “innere Beteiligung” fehlte, entwickelte Gendlin ein Klienten – Training zum Erwerb dieser Fähigkeit. Die Entwicklung dieses Trainings war Ausgangspunkt für viele Forschungen und bildet die Grundlage dessen, was im vorliegenden Band als Problemlösemethode für den Alltag verallgemeinert werden konnte:
In seinen philosophischen und therapeutischen Untersuchungen entfaltete Gendlin, ab Mitte der sechziger Jahre als Professor an der University of Chicago in den Fachgebiten Philosophie und Psychotherapie, die Grundlagen des erlebensbezogenen Focusing weiter. So fand er als konkret fassbaren Bezugspunkt für das unmittelbare Erleben einer Situation eine spezifische körperliche Befindlichkeit, den felt sense. Er konnte nun Menschen, die Focusing lernen wollten, folgende Anleitung geben: Wenn du über ein Thema sprichst, so achte darauf, welches körperliche Gefühl im Brust- und Bauchraum entsteht; bleibe im Kontakt mit dieser körperlich “fühlbaren Bedeutung” und versuche, auch diese auszudrücken. Wenn Lösungen für ein Problem gesucht werden, frage auch diese spürbare Körperstelle, was sie braucht, um sich wohler zu fühlen….
Diese unmittelbare, konkrete Einbeziehung des “Gefühls” oder “Gespürs” für eine Situation in seiner speziellen Qualität als felt sense kann nach wie vor als zentrales und einzigartiges Merkmal des Gendlin´schen Focusing – Ansatzes gelten. Ein scheinbar kleines Detail, dem jedoch theoretisch wie praktisch umwälzende Bedeu-tung zukommt, weit über den Bereich der Psychotherapie hinaus. So bietet Focusing beispielsweise eine schlichte Möglichkeit, auch im Alltag die Bereiche menschlicher Existenz bewusst mit einzubeziehen, deren Bedeutung wir in anderen Ansätzen als das Unbewusste kennengelernt haben. In einer Zeit, in der äußere Strukturen als Orientierungshilfen für das Individuum zunehmend fragwürdiger werden, bietet Focusing eine Art Navigationshilfe und ermutigt, eigene Wege und lebendige persönliche Ordnung zu finden. Gendlin beschreibt präzise die günstigen Haltungen und methodischen Schritte, um Gefühl und Verstand in einen produktiven Kontakt zu bringen. Wenn wir die Focusing-Methode benutzen, können wir erleben, daß Denken nicht chaotisch wird, wenn diese Art von Felt-Sense-Gefühl darin aufgenommen wird – sondern produktiver, kreativer, vorwärtstragend. Was Gendlin also anzubieten hat: Das “missing link” zwischen Denken und Fühlen in der westlichen Kultur.
Nach dem ersten Erscheinen von Focusing Ende der siebziger Jahre hat sich Gendlin weiter mit Fragen der Anwendung und den Folgen des Focusing Konzeptes in der Praxis wie auch in der Philosophie beschäftigt. Er vervollständigte schrittweise seine Konzeption einer erlebenszentrierten Psychotherapie (Experiential Psychotherapy), indem er mit Focusing den Kernprozeß menschlicher Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt der Therapie stellt und dann danach fragt, was Therapeut und Klient tun können, um diesen inneren Prozeß in der therapeutischen Beziehung zu fördern. Therapie ist nicht, so Gendlin, was der Therapeut macht, sondern der Prozeß, der im Klienten möglich wird – oder nicht. Dabei zeigt Gendlin auch genauer , wie therapeutische Konzepte (Methoden, Zugangsweisen, Techniken…)aus allen Schulen durch die Orientierung am Gefühl des Klienten (felt sense) genutzt werden können, um Raum für innere Bewegung und Veränderung zu schaffen. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese erlebenszentrierte Nutzung therapeutischer Konzepte lieferte Gendlin Mitte der achtziger Jahre mit seinem Werk über Traumarbeit, in dem er sehr lebendig die vielfältigen Möglichkeiten der Anwendung von unterschiedlicher Traumtheorien auf einen Traum beschreibt und dabei zeigt, wie Focusing helfen kann, aus einem Traum einen spürbaren Sinn für das Leben des Träumers zu entwickeln. In seinem gerade erschienen Gesamtwerk über Focusing- orientierte erlebenszentrierte Psychotherapie beschreibt Gendlin neben Traumarbeit auch die erlebenszentrierte Nutzung anderer Zugangsmodalitäten, beispielsweise Körperarbeit, Imaginationstechniken, kognitive Neubewertung, Handlungsänderung, Umgang mit Über-Ich – Prozessen.
Neben therapeutischen Fragestellungen blieb die Weiterentwicklung der Focusing-Methode als Hilfe im Alltag grundlegendes Anliegen. Er gründete in den achtziger Jahren in Chicago das International Focusing Institute, das Interessierten aus aller Welt die Möglichkeit bieten sollte, Focusing gründlich kennzulernen. Dabei wurden didaktische und methodische Rahmenbedingungen entwickelt, die im Rahmen von Gruppenübungen und Einzelbegleitung den Zugang zum felt sense erleichtern. Es entwickelte sich über die Jahre ein weltweites Netz von Trainern und Koordinatoren, die im ständigen Austausch mit dem International Focusing Institute, mittlerweile in New York angesiedelt, zusammen mit Gendlin an der Weiterentwicklung der Methode und deren Vermittlung und Anwendung.
Im philosophischen Bereich setzte sich Gendlin mit Fragen der zeitgenössischen Philosophie auseinander, hier insbesondere mit Fragen der Sprachphilosophie und postmodernen Auffassungen über “Ordnung”. Einen Eindruck von diesem Teil des Gendlin`schen Schaffens war ein Kongreß an der University of Chicago im Herbst 1997 zum Thema “What comes after Postmodernism?, dessen Arbeitspapiere im Internet zugänglich sind (Homepage: www.focusing.org).

Mit Focusing hat Gendlin eine Darstellung vorgelegt, die eine präzise Beschreibung der Focusing – Methode enthält. Diese Darstellung eignet sich für Leser, die sich ein fundiertes Bild über diesen Ansatz machen wollen. Einschränkend sei betont, dass es unserer Erfahrung nach in der Regel eher nicht möglich ist, Focusing durch Lesen zu lernen. Dazu braucht es zunächst Anleitung durch eine Focusing- erfahrene Person. Insbesondere der Zugang zum felt sense ist für die meisten eine Hürde. Wenn jemand versucht, Focusing anhand des Buches zu erlernen, sollte er jedenfalls nicht enttäuscht sein oder sich für unfähig halten, wenn dies nicht oder nur unvollständig gelingt. Ein anderes Nichtverstehen unterläuft häufig denjenigen, die bereits viel Erfahrungen haben mit Methoden wie Meditation, Imagination oder Körperarbeit: Sie erkennen oft das Spezifische des Focusing nicht. Es gibt viele Möglich
keiten und Methoden der Bezugnahme auf den Körper – Focusing ist eine sehr spezifische Form. Die missverstandene Gleichsetzung von Focusing mit schon bekannten Methoden führt leicht dazu, dass die spezielle Wirksamkeit des Focusing nicht mehr wahrgenommen wird.
Die Lektüre des Buches ist also hilfreich für eine genaue Information und als Unter-stützung vor und nach Focusing-Trainings. Selbst erfahrene “Focuser” sind immer wieder überrascht, wie genau und reich an Anregungen und praktischen Hilfestellungen dieses Standardwerk ist.
In der Praxis zeigt sich, daß Problemlösen mit Focusing am besten geht, wenn eine andere Person die Begleitung des inneren Prozesse unterstützt. Das Modell der Focusing-Partnerschaft, wie sie in diesem Band beschrieben wird, hat sich auch im deutschen Sprachraum als sehr effektiv erwiesen: Personen, die genügend Focusing- Begleiterfertigkeiten erworben haben, schließen sich immer häufiger zu kleinen Gruppen zusammen, um sich im Alltag regelmäßig zu treffen und abwechselnd zu begleiten. Dies begegnet einer gesellschaftlichen Situation, in der es immer schwieriger wird, im Alltag einen Gesprächspartner zu finden, der wirklich zuhört und wertungsfrei einen inneren Klärungsprozess begleitet. Ehepartner oder Freunde sind häufig zu stark von eigenen Themen und Problemen betroffen, um wirklich Raum geben zu können für alles, was in einem Klärungsprozeß auftaucht. Focusing – Partnerschaften können so eine wirksame Organisationsform zur Problemlösung im Alltag werden: Anstatt über Problem zu diskutieren oder Ratschläge zu geben, schaffen die Gesprächspartner Raum für Selbstklärung durch Focusing und sind damit meist effektiver und genauer am Punkt. Hinzu kommt, daß es offensichtlich gut möglich ist, solche partnerschaftlichen Focusing-Begleitungen auch telefonisch durchzuführen, wenn man auf einige Rahmenbedingungen achtet.
Daß Gendlin mit Focusing bereits 1979 heute noch wesentliche Konzepte beschrie-ben hat, heißt nicht, daß die Entwicklung stehen geblieben wäre. Im Gegenteil: Die zusammenfassende Klarheit dieses Werkes hat sicherlich einen großen Anteil daran, daß Focusing-orientierte Konzepte für viele Lebensbereiche entwickelt wurden. Um die Vielfalt dieser Anwendungsmöglichkeiten, deren Entwicklung erst am Anfang steht, deutlich zu machen, seien hier einige skizziert, die wir in den letzten Jahren mit großem Interesse verfolgt haben:
Psychotherapie: Gendlin hat 1996 eine zusammenfassende Darstellung seines eigenen Therapieansatz publiziert. Therapeuten steht damit jetzt auch eine profunde Darstellung der Focusing-orientierten Psychotherapie zur Verfügung, die im deutschen Sprachraum teilweise mitentwickelt wurde und zunehmend Interesse findet – auch bei Klienten, die Focusing kennen.
Beratung / Gesprächsführung: Im Bereich beratender Tätigkeit zeigt sich immer mehr Interesse für die Einbeziehung von Focusing als einer effektiven Methode, Probleme auf den Punkt zu bringen und Lösungen an den Bedürfnissen des Ratsuchenden zu orientieren. Im deutschen Sprachraum werden beispielsweise immer häufiger Trainings in Personzentrierter Gesprächsführung mit Focusing – Teilen angeboten
Supervision / Coaching: Supervision, als Hilfe für Angehörige sozialer Berufe, und Coaching, als Beratungsform für
Führungskräfte, profitieren wesentlich durch die Einbeziehung von Focusing in den Klärungsprozess. Schwierige Situationen mit Klienten oder Mitarbeitern sind beispielsweise direkter und präziser zu lösen, wenn Focusing auf Person und Situation in den Prozeß von Supervision und Coaching einbezogen wird.
Focusing mit Kindern: Inzwischen liegen eine Reihe von Erfahrungen und Arbeiten vor, die zeigen, wie Focusing für Kinder erlernbar wird und auch in pädagogische Arbeit innerhalb und außerhalb der Schule einbezogen werden kann.
Konfliktregelung: Modelle des “interaktiven Focusing” nutzen Focusing zur Klärung von Konflikten in zwischenmenschlichen Beziehungen, z.B. in Partnerschaft und beruflichen Konstellationen. Durch die Vorgabe von klaren Strukturen des Austauschs können mit Focusing auch “tiefere Ebenen” der Konflikte, damit auch der Lösung der Konflikte einbezogen werden.
Focusing im Management: Neben den schon erwähnten Einsatzmöglichkeiten des Focusing im Coaching gibt es eine Vielfalt von Anwendungsfeldern in Organisationen und Management. Zur Verbesserung und Ergänzung von rationalen Methoden “Entscheidungsfindung” haben wir selbst in den letzten Jahren Focusing-orientierte Entscheidungstrainings entwickelt. Hier zeigen sich sehr interessante Möglichkeiten durch die, rationale Methoden ergänzende, Einbeziehung von Intuition und Gespür in die persönliche Entscheidungsfindung. Darüber hinaus haben sich auch Anwendungsfelder ergeben im Bereich kreativer Ideenfindung, Stressbewältigung und Gruppenmoderation.
Schließlich sei noch erwähnt, daß Focusing auch als Inter
viewtechnik in der Sozialforschung eingesetzt wird.

Focusing anzuwenden bedeutet nicht, alles andere zu lassen. Vielmehr kann diese Methode helfen, durch die gezielte Einbeziehung des “Gespürs” oder der “Intuition” vorhandene Methoden Ansätze und Methoden wirksamer zu machen.

In dieser Situation einer fließenden Entwicklung mag das Werk wieder als Quelle erscheinen.

Gengenbach/Weingarten (Baden) im März 1998

Heinz-Joachim Feuerstein
Professor für Psychologie
an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl

Dieter Müller
Focusing Zentrum Karlsruhe

Focusing ist ein Prozess…

FOCUSING IST EIN PROZESS, ….

  • der in einer Person entsteht, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf ihr unmittelbares Erleben richtet , auf die Grenzzone zwischen Bewußtem und Unbewußtem
  • der sich auf das Unklare einer Situation, eines Themas richtet und spürbare persönliche Klärung bringen kann
  • in dem der felt sense zu einer Situation, einem Thema usw. entsteht und zum Ausgangspunkt für Veränderungen werden kann
  • in dem körperlich spürbare Veränderung (felt shift) die Lösungsschritte begleitet
  • der als Motor konstruktiver Persönlichkeitsentwicklung betrachtet werden kann

FOCUSING IST EINE GRUNDLEGENDE METHODE, DIE HILFT

….den Focusing – Prozeß bewußt zu gestalten und damit die Möglichkeit schafft, ……

  • mit sich selbst in Beziehung zu treten
  • auf sich selbst zu hören
  • den Kontakt zwischen Denken und Fühlen herzustellen
  • sich auf die unbewußte/vorbewußte Seite des Erlebens als eine körperlich gefühlte Qualität („gefühlte Bedeutung“) direkt zu beziehen
  • das Gefühl für „richtig/falsch für mich“ zu entwickeln und ernstzunehmen
  • als Begleitmethode, andere Menschen in ihrem Prozeß der Selbstauseinandersetzung konstruktiv zu begleiten

FOCUSINGHALTUNGEN ZUM EIGENEN ERLEBEN:

  • Freundliche, wohlwollende Beziehung zum Körper, insbesondere zum felt sense aufnehmen
  • Probleme, Belastungen, Gefühle anerkennen und freundlich betrachten
  • Innerlich in einen guten Abstand zu Problemen / Belastungen gehen. Unterscheiden zwischen Ich und Problem
  • Schutz vor blockierenden Prozessen wie Selbstabwertung entwickeln

Was ist ein Felt Sense?

Direkt übersetzen ließe sich felt sense als „gefühlter / gespürter Sinn“. Eugene T. Gendlin, der die Methode des Focusing entwickelt und theoretisch /philosophisch begründet hat, wollte mit diesem Kunstwort felt sense (es findet sich auch in keinem englischen Wörterbuch….) eine besondere Art von „Gefühl“ oder „Gespür“ kennzeichnen, für das es weder im Deutschen noch im Englischen einen genauen Begriff gibt.
Hier einige Kennzeichen für felt sense:

FELT SENSE….

  • ist ein „ganzheitliches“ Gefühl über eine Situation, ein Problem, eine Person, einen Traum, eine Entscheidung…
  • entsteht in der Randzone zwischen Bewußtem und Unbewußtem
  • hat eine körperliche Resonanz, in der Regel im Brust- und Bauchraum (zwischen Hals und Unterleib)
  • ist ein zunächst unklares, „verwickeltes“ Gefühl im Körper
  • kann zu jeder Situation entstehen, wenn man die Aufmerksamkeit in einer bestimmten Weise auf die Körpermitte richtet und ein oder zwei Minuten wartet, ob „etwas kommt“ (Teil des Focusing – Prozesses)
  • ist oft schwer zu beschreiben – Begriffe erscheinen zu ungenau, um „genau dieses Gefühl im Körper jetzt“ zu benennen
  • ist unterscheidbar von anderen „Gefühlen“ wie Emotionen (Wut, Trauer…), physiologischen körperlichen Empfindungen,
  • enthält auch: Bedürfnisse, Wünsche nach Veränderung in einer unangenehmen Situation
  • enthält auch: Gefühl für „richtig/gut für mich“ oder „falsch/so nicht in Ordnung für mich“

FELT SENSE WIRD IM ALLTAG MANCHMAL SPÜRBAR,

  • wenn wir eine Entscheidung getroffen haben (z.B., daß wir uns dann „gut fühlen“ oder „noch ein ungutes Gefühl haben“, obwohl wir rational die beste Lösung gewählt haben)
  • wenn wir morgens aufwachen mit einem bestimmten Gefühl, das offensichtlich zu einem Traum gehört, den wir aber nicht mehr erinnern
  • wenn wir einer Person begegnen, zu der wir eine „ungute“ zwischenmenschliche Beziehung haben
  • wenn wir in einen Raum eintreten, in ein Gebäude oder den Blick auf eine Landschaft richten
  • wenn ein Bild betrachten; Musik hören
  • wenn wir uns kreativ betätigen, z.B. versuchen, ein Gedicht zu schreiben, ein Bild zu malen…..

FZK – Focusing Zentrum Karlsruhe

Schwerpunkte des FZK – Angebotes

Das Zentrum wurde 1987 von Hejo Feuerstein und Dieter Müller gegründet. Im Mittelpunkt stehen Fortbildungen in der Methode des Focusing und deren vielfältige Anwendungen im Bereich professioneller Kommunikation, Beratung und Persönlichkeitsentfaltung. Zielgruppen sind sowohl Privatpersonen wie auch Berufstätige im psychosozialen und pädagogischen Bereich, Personalverantwortliche in Unternehmen, FreiberuflerInnen mit Beratungsaufgaben, OrganisationsberaterInnen.