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Letze Aktualisierung am: 16.10.2010

International Focusing Institute New York

Präsident: Eugene T. Gendlin

Eugene T. Gendlin wurde 1926 in Wien geboren. 1939, nach dem “Anschluss” Österreichs an Nazi-Deutschland, flüchtete seine Familie mit ihm in die USA, wo er seither lebt. Als Professor für Philosophie und Psychologie forscht und lehrt er seit Mitte der sechziger Jahre an der University of Chicago.

Wissenschaftlich beschäftigte sich Gendlin zunächst mit philosophischen Fragestellungen (Studium und Promotion in Philosophie). Seine zentrales Thema, die Beziehung zwischen dem Erleben und der Symbolisierung von Erleben, führte ihn Anfang der fünfziger Jahre zur Forschungsgruppe von Carl R. Rogers, dem Begründer der Klientzentrierten Psychotherapie (zunächst an der University of Wisconsin, später an der University of Chicago). Gendlin arbeitete in den folgenden Jahren seine Theorie des Erlebens (experiencing) weiter aus, sowohl für die philosophischen Fragestellungen (experiential philosophy) als auch in ihrer theoretischen und praktischen Relevanz für die Psychotherapie (Experiential Psychotherapy).

1962 erschien sein erstes grundlegendes Werk “Experiencing and the creation of meaning”, in dem er sich kritisch mit der Rolle des unmittelbaren Erlebens in der zeitgenössischen Philosophie (besonders in Phänomenologie und Existentialismus) und in der (früheren) Therapie-Theorie von Carl Rogers auseinandersetzte. Rogers schloß sich in diesen Jahren weitgehend Gendlins Auffassung an und ersetzte sein eigenes Konzept von “Erfahrung” (experience) durch den Gendlin´schen Ansatz des “unmittelbaren Erlebens” (experiencing).

Focusing:
Im Rahmen empirischer Psychotherapieforschung an der University of Chicago ging Gendlin seit den sechziger Jahren der Frage nach, welche Variablen für den (Miss-)Erfolg von Therapien maßgeblich sind. Sein Ergebnis: Entscheidend für das Gelingen einer Therapie ist weder die Methode noch der Inhalt der Therapie, sondern die Art der Bezugnahme auf das eigene Erleben auf Seiten der KlientIn. Fehlt eine spezifisch direkte Bezugnahme, in deren Prozess die erlebte, gespürte Bedeutung (felt sense) eines Themas symbolisiert (und dadurch klärbar) wird, so bleibt der therapeutische Prozess stecken… (Gendlin wurde in den siebziger Jahren für seine Forschung auf diesem Gebiet von der American Psychological Association ausgezeichnet).

Gendlins weitere theoretische und praktische Beschäftigung mit konstruktiven Prozessen der Persönlichkeitsveränderung resultierte in einer inzwischen differenziert ausgearbeiteten und empirisch überprüften Methode, diese essentielle Form der Selbstbezugnahme zu erlernen und zu lehren: “Focusing”. Focusing bezeichnet sowohl den inneren Prozess dieser Bezugnahme auf das unmittelbare Erleben, als auch die Methode, die zentralen Schritte dieses Prozesses gezielt zu erlernen. Ende der siebziger Jahre erschien in den USA Gendlins Buch “Focusing”, in dem die Schritte dieses Prozesses dargestellt werden.

Experiential Psychotherapy (Erlebenszentrierte Psychotherapie):
Gendlin sieht seinen experientiellen Ansatz als eine Möglichkeit, psychotherapeutische Methoden erfolgreich zu nutzen. Dazu ist es erforderlich, daß die KlientIn während der Therapie auf ihr unmittelbares Erleben focusiert. Aufgabe der TherapeutIn ist es dabei, die Beziehung so zu gestalten, dass der KlientIn diese Bezugnahme erleichtert wird. Sind diese Bedingungen gegeben, so entsteht ein Beziehungs-Raum, in dem sich die KlientIn mit den erlebten, körperlich gespürten Bedeutungen ihrer Themen auseinandersetzen kann – konstruktiv vorwärtsschreitend. Therapeutische Methoden können als unterschiedliche Wege gesehen werden, geformte Symbolisierungen (Kognitionen/Sprache, Emotionen, Imaginationen, Handlungen…) am unmittelbaren Erleben zu überprüfen, aufzulösen, neu zu bilden. Die TherapeutIn wird so zur ExpertIn für die Prozess- bzw. Beziehungsgestaltung.

Literatur: Gendlin, E.T. (1996) Focusing-oriented Psychotherapy: A Manual of the Experiential Method. New York: Guilford. Deutsch: 1998, Focusing-orientierte Psychotherapie: ein Handbuch der erlebensbezogenen Methode. München: Pfeiffer

Ausführlichere Darstellung s.a.: H.J. Feuerstein, 2000, Erfühltes Leben: Eugene T. Gendlin. In: Feuerstein, Müller & Weiser Cornell, Focusing im Prozess. Köln: GwG-Verlag