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Letze Aktualisierung am: 20.02.2011

10 Jahre deutsche Focusing Gesellschaft e. V.

Im Rahmen der International Focusing Conference 1997 in Pforzheim–Hohenwart bildete sich eine Initiativgruppe zur Gründung der Deutschen Focusing Gesellschaft e. V., wesentlich mitorganisiert und unterstützt durch das Focusing Zentrum Karlsruhe. Ziele der Gründung waren:

Vertretung des Experientiellen Ansatzes auf deutscher Verbandsebene.

Für die AbsolventInnen der Weiterbildungen der in der DFG organisierten Institute, die Focusing meist in ihrem professionellen Umfeld praktizieren (Beratung, Therapie, Weiterbildung), sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, in Deutschland ihre nationalen beruflichen Interessen auf der Verbandsebene zu vertreten – privatwirtschaftliche Institute wie das FZK oder ausländische Organisationen wie das Focusing Institute New York sind auf dieser Ebene keine wirksamen oder anerkannten Organisationsformen in der deutschen Verbandskultur.

Im Hintergrund stehen dabei öffentliche Diskussionen, nach der gesetzlichen Regulierung der Psychotherapie auch die Beratungstätigkeit im psychosozialen Bereich zum Schutz der Verbraucher, möglicherweise auf europäischer Ebene, zu reglementieren. Diese Entwicklung führte seit 2003 zu gemeinsamen Anstrengungen aller wichtigen Beratungsverbände in Deutschland, die ideologischen Barrieren zu überwinden und gemeinsam an einem übergreifenden Beratungsverständnis zu arbeiten, das sich als Grundlage für den Dialog mit der Politik eignet. Im September 2005 wurde in Berlin schließlich der Dachverband deutscher Beratungsverbände, die Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB) gegründet, dem die DFG als Gründungsmitglied angehört. Zu den ca. 30 dort organisierten Verbänden zählen u. a. GwG, DGsV, DGVT, mehrere Träger kirchlicher Sozialarbeit u.v.m. (s.a. www.dachverband-beratung.de).
In den Gremien des DGfB werden u.a. Ausbildungskonzepte der Mitgliedsverbände synoptisch dargestellt und die jeweiligen Standards für Aus- und Weiterbildungen transparent gemacht. Die Impulse zielen dabei nicht in Richtung Vereinheitlichung und Restriktion wie bei der Kassenzulassung der Therapieverfahren, sondern auf Würdigung und Pflege der Vielfalt der Beratungsansätze, und, wo möglich, auf die konsensorientierte Formulierung von Gemeinsamkeiten über die Schulen hinweg. Über diesen Dialog der Beratungsschulen wächst auch das Interesse an vertieftem wechselseitigen Kennenlernen jenseits der üblichen schablonenhaften, meist nicht durch Kenntnisse getrübten, Vorurteile unter den verschiedenen Beratungsansätzen. Unsere Erfahrung zeigt: auch wir können viel lernen von anderen…

Auch die Zusammenarbeit mit europäischen Beratungsverbänden wie z. B. der European Association for Counselling (EAC) wird sowohl vom DGfB wie auch von der DFG angestrebt, da bei der weiteren Entwicklung auf dem Feld der Weiterbildung zunehmend die internationalen Masterstudiengänge der Hochschulen in den Blick geraten.

Noch eine Anmerkung zu „Focusing-Standards“ – ein Thema, das bei manchen Focusing-KollegInnen allergische Reaktionen hervorruft: Geargwöhnt wurde teilweise, dass mit der DFG anderen Ausbilder-KollegInnen Vorgaben zu ihrer Tätigkeit gemacht werden sollten. Standards und Organisationsstrukturen stehen zudem im Ruch der Kontraproduktivität in einem Ansatz, in dem ein Leben „beyond roles“ als Ideal hinterlegt ist. Ein großes Thema, dazu hier nur eine kurze Anmerkung: Durch die Fixierung von Standards für DFG-Ausbildungen sollen FortbildungsteilnehmerInnen (und deren KlientInnen) verlässliche Informationen erhalten, welche Anforderungen für den Erwerb von Zertifikaten gestellt werden innerhalb dieser Organisation. Anforderungen, bei deren Erfüllung auch ein Anspruch auf Zertifizierung besteht.

Die Initiatoren der DFG brachen damit bewusst mit Praktiken in der Focusing Community, dass die AusbilderIn bestimmt, wann jemand „fertig ist“. Enthält die Formulierung von Standards das Risiko eines bürokratischen, kontraproduktiven Formalismus, so erscheint die Alternative einer persönlichen Abhängigkeit von einer Ausbildungsperson als eine Tradition quasireligiöser, feudalistischer Initiation, die wir aus unserer Sicht in Europa mit der Aufklärung überwunden haben. Zu Focusing passen nur schlecht formale Bestimmungen und Festlegungen – allerdings noch weniger Hörigkeit und persönliche Abhängigkeit von noch so gut gemeinter Ausbilder-(Will-)Kür.

Die DFG beansprucht nicht allgemein gültige „Standards für Focusing“ festzusetzen. Vielmehr geht es darum, dass FortbildungsteilnehmerInnen und deren KlientInnen darüber im Klaren sein können, was mit einem Zertifikat der „DFG – Deutsche Focusing Gesellschaft“ verbunden ist. Dabei sollen die Richtlinien, Inhalte und Lehrformen regelmäßig an den aktuellen Stand von Evaluation und Forschung angepasst werden. In der Praxis zeigte sich diese DFG-Konzeption als sehr fruchtbar: eine Vielfalt von „Focusing-Stilen“ und -Anwendungsbereichen belebt mittlerweile die Szene der AbsolventInnen und trägt so bei zu einer lebendigen Entwicklung – im Schutze der Standards, unabhängig von den persönlichen Präferenzen von AusbilderInnen.

Strukturen der Selbstorganisation: Kontakte–Tage, Arbeitskreise…
Ein weiteres wichtiges Anliegen bei der Gründung der DFG war die Bereitstellung von Organisationsstrukturen für die kontinuierliche Weiterbildung und Supervision in der eigenen beruflichen Tätigkeit – inzwischen ein Muss der Qualitätssicherung in vielen psychosozialen Berufen und Tätigkeitsfeldern. Diese Aufgaben sollen von den Mitgliedern selbst organisiert und gestaltet werden, je nach Bedarf und Tätigkeitsfeld. Die DFG bietet hierfür organisatorische Unterstützung und einen kontinuierlichen Rahmen für Kontakte.

In der Regel werden zwei Mal jährlich Focusing Kontakte–Tage organisiert, in deren Rahmen, für Mitglieder kostenlos, Weiterbildungs–Workshops im Bereich Focusing/ Experientielle Methodik angeboten werden. Mitglieder und GastreferentInnen können hier eigene Entwicklungen präsentieren. Gleichzeitig bietet ein „Marktplatz der Informationen und Initiativen“ die Möglichkeit, Neues gemeinsam mit anderen Interessierten in Angriff zu nehmen. In diesem Rahmen wurden kollegiale Zirkel zu verschiedenen Berufsbereichen gegründet, die in der Ausformung etwas von der Vielfalt widerspiegeln, die dann entstehen kann, wenn Beteiligte selbst die Gestaltung bestimmen entlang ihrer jeweiligen Interessen und Berufslagen:

Im Arbeitskreis „Experientielle Therapie und Beratung“ treffen sich monatlich die Mitglieder zu kollegialer Supervision und zur Diskussion berufspolitischer Themen, insbesondere im Kreis der niedergelassenen PsychotherapeutInnen. Dieser AK ist anerkannt von der KV als Supervisionsgruppe.

Der AK „Coaching & Supervision“ wurde initiiert von AbsolventInnen der einschlägigen Weiterbildungen (DFG, FZK, GwG); inzwischen haben sich weitere TeilnehmerInnen angeschlossen, die ihre Tätigkeit als Coach/ SupervisorIn prozessorientiert und personzentriert verstehen. Die Treffen finden vierteljährlich sonntags statt mit wechselseitigen Informationen, Vorstellung eigener Projekte und erprobter Methoden, Supervision laufender Coaching-Fälle u.a.. Aus der Mitte dieses AKs haben sich Untergruppen gebildet, die u.a. an der Identifikation des Fortbildungsbedarfs und darauf aufbauenden Strukturen für kontinuierliche Fortbildung und berufsethische Standards für prozess-orientierte Coachs arbeiten.
Im AK „Gesundheit“ wurde, gemeinsam mit dem FZK, eine Konzeption zur Focusing-orientierten Schmerzbegleitung von Heinz-Joachim Feuerstein und Dieter Müller (1998/2000) in konkrete Trainingsmaßnahmen umgesetzt, trainiert und inzwischen in einem Pilotprojekt mit der AOK Ortenau (Offenburg) für chronische SchmerzpatientInnen durchgeführt und evaluiert.

Weitere Entwicklung:

Die Projekte und Arbeitskreise enthalten bereits mehrere Komponenten, die für die weitere Tätigkeit der DFG wegweisend sein werden:

  • die Umsetzung von experientiellen Konzeptionen/ Ideen in konkrete Pilotprojekte;
  • die Kooperation mit anderen Verbänden, Trägern, Einrichtungen;
  • die formative und summative Evaluation der Wirksamkeit von spezifischen (Focusing-) Angeboten;
  • die qualifizierte Bereitstellung von erprobten Methoden durch professionelle Weiterbildung von TrainerInnen, BeraterInnen…
    (HJF)